„Im Jahre 1830 erfolgte das erste selbstständige politische Auftreten der Leipziger Bürger. Schon nach Ausbruch der Julirevolution in Frankreich kam es in der Stadt zu öffentlichen Sympathiekundgebungen. Anfang September erreichte die antifeudale Bewegung ihren Höhepunkt, die sich besonders gegen die Stadtverwaltung und die Polizei richtete. Der offene Aufstand brach los als die Polizei einen Schmiedelehrling auf dem Brühl zusammengeschlagen und verhaftet hatten. Zu den Aufständischen gehörten vor allem Gesellen, Arbeiter und Studenten. Sie stürmten und demolierten die Wohnung des Polizeiamtsaktuars Jäger, das Landhaus des Bankiers Erkel, die Wohnhäuser des Militärs und Bordelle in den Vorstädten. Da sich die revolutionäre Bewegung von Leipzig aus auch auf andere sächsische Städte ausgebreitet hatte, sah sich die Regierung gezwungen, einig Zugeständnisse gegenüber dem liberalen Bürgertum zu machen. Neben einem Verfassungsversprechen erließ sie eine Städteordnung, die sofort, also noch vor ihrer Erhebung zum Gesetz, in Leipzig eingeführt worden ist.“
(Czok, Karl: Das Alte Leipzig. Koeler & Amelang, Leipzig, 1978, S. 187 f.)